Teil IIII: Szenelokale sollen früher schließen
Lärmende Discogänger: Sicherheitskräfte greifen durch
Mittwochnacht, wenige Minuten nach drei Uhr am alten Fischmarkt: Acht Taxen stehen in Reihe. Bei einigen „Personenkutschern“ tuckert der Motor munter vor sich hin. Gruppen Jugendlicher ziehen durch die nächtliche Partymeile. Auf den ersten Blick bestätigt sich der Frust der Anwohner und Geschäftsinhaber, die seit einiger Zeit gegen die Gaststätte das „Schwarze Schaf“ vorgehen (die WN berichteten). Den Anwohnern stinkt es, dass Betrunkene in die Hauseingänge urinieren, schreien, randalieren. Die Lärmbelästigung durch Taxen und Besucher des „Schafs“ empfinden sie als unerträglich. Damit soll jetzt Schluss sein: Die Anwohner fordern, das Lokal um drei Uhr in der Nacht zu schließen. Noch darf bis um fünf Uhr gefeiert werden.
Vielleicht ist einiges anders in dieser Nacht, als in vielen anderen Nächten, doch übermäßige Lautstärke der jungen Leute: Fehlanzeige. Für die feiernden Massen innerhalb des Schwarzen Schafs ist es auf der Straße erstaunlich ruhig. Hin und wieder schwappen bei geöffneter Tür Fetzen der Partymusik auf die Straße. Die Security zeigt Präsenz. Gruppenansammlungen auf der Straße werden aufgelöst, die Partyhungrigen bei lautem Gegröle sofort zur Ruhe ermahnt.
Jura-Studentin Wibke Kähler weiß, dass „es manchmal wirklich laut ist und sich einige wie Schweine benehmen“. Trotzdem hat die junge Frau wie 7000 andere Besucher des Lokals die Unterschriftenliste gegen die „Polizeistunde“ um drei Uhr im Schaf unterschrieben: „Es ist nun mal der beste Laden in der Innenstadt, um nachts tanzen zu gehen.“ Zudem sei das Schaf nicht das einzige Lokal am alten Fischmarkt, aus dem Betrunkene heraustorkeln. Der Blick wandert zum benachbarten „Bullenkopp“.
3.15 Uhr: In einem Geschäftseingang schläft ein betrunkener junger Mann. Es dauert nur wenige Minuten, bis die Sicherheitskräfte dem Mann auf die Beine helfen und ihn des Platzes verweisen. Mehr, so scheint es, kann ein Gaststättenbetreiber mit einer Konzession für 900 Gäste nicht leisten. Christoph Hartig, Betreiber des „Schafs“, kann keinen Sinn in der drohenden Sperrstunde um drei Uhr erkennen. „Dann müssten wir 900 Gäste auf einmal auf die Straße setzen“, sagt Hartig – das wäre „die schlimmste Lösung“ für Anwohner und Betreiber. Um die Ordnung auf der Straße zu gewährleisten, habe die Gaststätte neun Ordner im Einsatz und Hartig kündigt an, die Zahl der Ordner in der kritischen Zeit nach fünf Uhr noch um weitere fünf Kräfte zu erhöhen. Für die Taxen, die in langen Schlangen vor dem Lokal halten, fühlt sich der Betreiber jedoch nicht verantwortlich: „Es ist Sache der Stadt zu verhindern, dass Taxen in der Straße auf Kundschaft warten.“








